Schöne Frau sucht reichen Mann. Ist das verwerflich?

Als Mann mittleren Alters habe ich mir oftmals die Frage gestellt, ob es eigentlich verwerflich ist, wenn sich eine schöne Frau bei der Partnersuche konsequent und ausschließlich auf reiche, gut betuchte oder besser verdienende Männer konzentriert? Biete Schönheit, suche Reichtum. Ist es schlimm, wenn sich eine schöne Frau einen reichen Mann angeln möchte und innere Werte, Sympathie, Aussehen und ein gravierender Altersunterschied keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen?

Schöne Frau sucht reichen Mann. Ist das verwerflich?

Schöne Frau sucht reichen Mann. Auch ich habe diesbezüglich meine (bitteren) Erfahrungen gemacht. Vor etwa 18 Jahren, damals war ich etwa 20. Damals hatte ich eine unglaublich attraktive Freundin namens Ulla. Ulla kam aus Polen. Da Polen damals noch nicht zur EU gehörte, lebte Sie mit ihren Eltern und vier jüngeren Geschwistern in ärmlichsten Verhältnissen „schwarz“ in Deutschland.

Ulla war das, was man getrost als absolute Traumfrau bezeichnen kann! Groß, blond, blaue Augen. Eine tolle Figur und ein Gesicht, wie es nicht hätte schöner sein können. Dazu war sie auch noch überaus humorvoll. Kurzum – ein Mädchen zum Verlieben! Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass nicht nur ich, sondern gefühlt 99 % aller Männer (!) in Ulla verliebt waren. Ich war zwar mit ihr zusammen, doch das störte mich immens.

Wir trennten uns mehrmals und kamen mehrmals wieder zusammen, irgendwie entstand eine Art Hassliebe zwischen uns. Also aktivierte ich meinen Selbstschutzmechanismus und vermied jeglichen Kontakt zu ihr. Ich beschloss Ulla endgültig zu vergessen, was mir jedoch irgendwie nie ganz gelang.

Etwa 5 Jahre später sahen wir uns wieder. Ulla sah besser aus denn je. Sie fuhr ein Mercedes Cabrio, hatte superteure Designerklamotten an und ging mit Georgs glänzender Goldkarte in der Tasche shoppen. Ulla hatte in der Zwischenzeit nämlich einen sehr reichen Mann geheiratet. Georg hieß der „Glückliche“. Ein stinkreicher Banker, der selbst eine Tochter in Ullas Alter hatte und ihr ein luxuriöses Leben in Saus und Braus ermöglichte.

Wir tranken zusammen einen Kaffee und um das Ganze abzukürzen: Ulla war zwar materiell glücklich, nicht jedoch emotional. Sie suchte einen Mittelweg, nämlich mich. Georg bezahlt, ich liebe. Doch da sprang mein Selbstschutzmechanismus wieder an. Ja, ich konnte ihr Liebe bieten, außerordentlich viel sogar. Doch wenn, dann wollte ich sie nicht teilen, denn Reichtümer hatte ich nicht. Wir gingen auseinander und sahen uns nie wieder.

Schönheit verblasst, ein abschreckendes Beispiel

Etwa 10 Jahre später, die Erinnerungen an Ulla sind längst verblasst, traf ich Casey. Casey war eine Deutsch-Amerikanerin Mitte 50 und vermutlich das, was man als eine in die Jahre gekommene Schönheit bezeichnen würde. Nun, Schönheit ist eigentlich stark übertrieben, denn das war sie vermutlich schon die letzten 15 Jahre nicht mehr.

Dennoch konnte man ihr ansehen und aus den (sehr oberflächlichen) Unterhaltungen heraushören, dass sie in jüngeren Jahren eine äußerst attraktive Frau gewesen sein muss. Casey lebte ihr halbes Leben in den USA und war entweder zeitweise mit einem reichen Mann verheiratet oder mit reichen Männern zusammen.

Sie ließ sich aushalten und musste praktisch nie arbeiten gehen. Naja, nicht so ganz. Ihr Job bestand darin, immer gut auszusehen, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen und ihre Termine im Kosmetikstudio und im Solarium nicht zu verpassen. Ich war als Teamleiter für eine Promotionagentur tätig und Casey bewarb sich irgendwann bei mir um einen Promotionjob.

Sie war total abgebrannt, hatte einen irrsinnigen Schuldenberg und fand keinen Job. Auch wenn es unprofessionell war. Irgendwo hatte ich Mitleid und beschloss deshalb, ihr eine Chance zu geben. Doch die Beschwerden häuften sich und nach nicht einmal einer Woche musste ich einsehen, dass das ein großer Fehler war sie einzustellen. Sie verstand absolut gar nichts, obwohl ich mir die größte Mühe gab und die Arbeit an sich auch keine allzu große Herausforderung an den Intellekt stellte.

Casey war dennoch damit überfordert und noch dazu eine ausgesprochen uneinsichtige Cholerikerin. Sie wäre sogar mit Zeitungen austragen überfordert gewesen, doch klüger ist man meistens hinterher. Es war jedoch kein Wunder, denn die Frau hatte weder eine Berufsausbildung noch irgendwelche Berufspraxis. Sie hatte nicht den geringsten Plan, was arbeiten gehen überhaupt bedeutet und wer mit Mitte 50 damit anfängt, tut sich verständlicherweise auch sehr schwer damit.

Auch wenn es sich brutal anhört: Casey assoziiere ich mit einer alten ausgedienten Barbiepuppe, die von Kindern angemalt und zerknautscht in eine Ecke geschmissen wurde und mit der keiner mehr spielen möchte. Der Vergleich hinkt nicht, denn sie war zeit ihres Lebens immer ein adrettes Spielzeug reicher Männer gewesen. Was wird aus ausgedientem Spielzeug? Spielzeug ist zeitweise interessant und es nutzt sich mit der Zeit ab, irgendwo ist es Verbrauchsmaterial.

Es klingt unglaublich paradox – ein Mensch blickt auf sein Leben zurück und ist verbittert, obwohl er den Großteil davon immer so gelebt hat, wie er es sich immer gewünscht hat. Das Problem ist nur, dass Schönheit vergänglich ist und dieses Attribut mit jedem Tag ein Stückchen mehr seiner Wertigkeit verliert.

Natürlich musste ich damals auch an Ulla denken und ich habe mich gefragt, ob auch sie in 15, 20 oder 30 Jahren so enden wird wie Casey oder ob sie hoffentlich etwas schlauer ist und finanziell etwas vorsorgt oder sich irgendwann von dem alten aber reichen Mann trennt, sich neu verliebt und vielleicht Kinder bekommt und eine Familie gründet?

Ich weiß es nicht aber ich hoffe es zumindest. Was mich betrifft, bin ich Ulla niemals böse gewesen, im Gegenteil, ich hatte sogar Verständnis. Kommen Frauen aus ärmlichsten Verhältnissen, dann ist es meiner Meinung vollkommen verständlich, wenn sie sich einen reichen Mann suchen und die Armut, die sie als Kind erlebt haben, nie wieder erleben müssen.

Frau sucht reichen Mann – das ist vollkommen legitim und verständlich!

Im Leben kommt es eben immer darauf an, was man zu verkaufen hat. Hat man besonders hohe berufliche Fähigkeiten, dann wird man auf dem Arbeitsmarkt natürlich solche Firmen als Arbeitgeber vorziehen, die einem das höchste Gehalt und die besten Arbeitsbedingungen bieten. Sucht eine schöne Frau einen reichen Mann, dann ist das aus meiner Sicht vollkommen legitim.

Jeder setzt eben sein Kapital so gewinnbringend wie nur möglich ein. Bei manchen sind es der Intellekt und die berufliche Qualifikation, bei anderen und schöneren Menschen ist es eben nur das gute Aussehen. Nüchtern betrachtet ist beides jedoch Kapital, das einen im Leben weiterbringen kann.

Die hat den doch nur geheiratet, weil er Geld hat! Klar hat sie das, warum auch nicht? Wenn eine schöne Frau einen reichen Mann heiratet, dann ruft das die Neider natürlich schnell auf den Plan, doch warum, denn eigentlich geht das doch niemanden etwas an?

Wenn eine Frau einen reichen Mann findet, dann hat sie es in der Regel nicht unbedingt mit einem Dummkopf zu tun. Denn schließlich muss er ja irgendwie zu seinem Vermögen gekommen sein. Reiche Männer, die sich eine deutlich jüngere und äußerst attraktive Freundin suchen, sind sich in der Regel auch durchaus bewusst, dass es lediglich ihr Geld ist, dass das ausschlaggebende Argument ist und dass sie in den Augen schöner Frauen gleich um einiges attraktiver erscheinen lässt. Geld und Erfolg macht eben sexy – auf die eine oder andere Weise.

Keine Liebe, dafür ein Arrangement

In der Regel ist das ein einfaches Arrangement. Die Frau gaukelt Liebe vor und der Mann lässt sich gerne belügen, schließlich zahlt er ja auch dafür und das nicht zu knapp. Das macht er zumindest so lange, wie er mit der „Dienstleistung“ zufrieden ist. Leben und Leben lassen, lautet meine Devise. Meiner Meinung nach sollte zwar jeder Mensch eine langfristige Lebensplanung haben und sein Leben so gestalten, dass er dauerhaft glücklich ist.

Wer nur für den Moment lebt, nur dem Geld hinterherrennt oder sich von materiellem Gut blenden lässt, wird sich schwer tun seine Erfüllung im Leben zu finden, doch das ist Ansichtssache. Jeder soll eben so leben, wie es ihm gefällt.