Alexithymie: Die Unfähigkeit Gefühle zu zeigen

Ein guter Witz entlockt uns ein Lachen, und wenn uns jemand ein charmantes Kompliment macht, dann lächeln wir. Wir verspüren Emotionen und wir reagieren entsprechend auf unsere Empfindungen wie Wut, Trauer oder Freude. Wir lachen und wir weinen, wir springen vor Freude in die Luft und gelegentlich haben wir auch Wutanfälle. Für die meisten Menschen ist es vollkommen normal Gefühle zu zeigen und seine Emotionen auszuleben, nicht jedoch für all jene, die unter Alexithymie leiden und das sind mit schätzungsweise rund 10 Prozent der Bundesbevölkerung nicht unbedingt wenige.

Was ist Alexithymie?

Der Begriff Alexithymie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie die Unfähigkeit, Gefühle zu „lesen“ und „auszudrücken“. Die vereinfachte Bezeichnung für Alexithymie lautet schlicht und einfach Gefühlsblindheit. Alexithyme Menschen sind weder dazu in der Lage ihre die eigenen Gefühle adäquat wahrzunehmen und sie in Worten zu beschreiben noch die Gefühlsregungen ihrer Mitmenschen korrekt zu deuten und sie zu verstehen. Sie wissen also weder wie sich Traurigkeit anfühlt noch was es bedeutet, Freude zu verspüren. Alexithyme fallen in der Regel jedoch kaum auf. So neigen sie beispielsweise zu ausufernden Fachsimpeleien als geschickt inszenierte Ausweichmanöver, um nicht über ihre Gefühle sprechen zu müssen.

Gefühlsblinde gelten als phantasiearm, gleichmütig und funktional. Auf Außenstehende wirkt ihr Verhalten zumeist distanziert und gefühlskalt, Gestik und Mimik sind zudem sehr schwach ausgeprägt. Körperliche Signale, die sich normalerweise in Emotionen entladen, sehen Alexithyme lediglich als einen für sie rätselhaften körperlichen Erregungszustand an. Die meisten Gefühlsblinden sind sich über ihr Defizit kaum bewusst. Zum Problemen kommt es meistens nur aufgrund des Mangels emotionaler Wärme im Kontakt mit engen Familienangehörigen oder dem Partner.

Wie entsteht Alexithymie?

Alexithymie ist keine offizielle Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, welches Psychologen und Psychiater seit langem beschäftigt. Gefühlsblindheit kann verschiedene Ursachen haben. Möglicherweise hat man es nicht anders gelernt und in der Kindheit von den Eltern so vorgelebt bekommen. Eine andere Erklärung ist die, dass nach einem schrecklichen Erlebnis eine Art körpereigener Schutzmechanismus aktiviert wurde, welcher die Gefühle herunterdreht oder weitestgehend deaktiviert, um durch das Trauma seelisch nicht weiter belastet zu werden. Verstärkt wird sie bei Alleinstehenden, Konfessionslosen, Arbeitslosen und insbesondere bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status.

Gefühlsblindheit in der Beziehung

In ihrem Alltag haben Gefühlsblinde in der Regel keine Probleme, im Gegenteil! Da sie ihre Entscheidungen rationell treffen und sie sich nicht von ihren Emotionen leiten lassen (können), sind diese zumeist gut durchdacht und richtig. Problematisch wird es natürlich in der Beziehung, wenn ein gefühlsblinder und ein emotionaler Mensch zusammenleben und der Gefühlsblinde aufgrund seines chronisch gestörten Gefühlshaushalts die Erwartungen des Emotionalen nicht mal ansatzweise erfüllen kann.

Sie sind ratlos, verwundert und überfordert, wenn der Partner Zärtlichkeiten erwartet oder einen Tobsuchtsanfall bekommt.  Sie weinen nicht, sie verzweifeln nicht und sie werden deswegen auch nicht wütend. Sie wissen zwar, dass etwas nicht in Ordnung ist, doch sie wissen nicht was es ist. Lebt man als normal fühlender Mensch mit einem Gefühlsblinden zusammen, ist das natürlich alles andere als einfach und nur schwer zu akzeptieren.

Lässt sich Alexithymie therapieren?

Es liegt an jedem Menschen selbst, ob er so bleiben möchte, wie er ist oder ob er sich ändern möchte. Den Zugang zu den eigenen Gefühlen kann man sich durch eine Psychotherapie erarbeiten. Die meisten Alexithymen begeben sich jedoch nur selten aus freien Stücken in Behandlung, sondern nur dann, wenn sie aufgrund ihrer Emotionsstörungen vom Partner oder den Familienangehörigen dazu gedrängt werden oder wenn sie als Folge ihrer Alexithymie unter weiteren Beschwerden wie zum Beispiel Depressionen, Bluthochdruck oder einem Burn-out leiden.